Grundlagen der Heraldik

Regeln für die Teilnahme am Turnier, die Wettbewerbe, Spiele und alles drum herum
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SL Frizzi
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Grundlagen der Heraldik

Beitrag von SL Frizzi » 6. Januar 2019, 11:37

Die Heraldik, also die Wappenkunde, ist eine sehr umfassende und komplexe Wissenschaft. Das Wappenwesen befasst sich mit der historischen Entwicklung der Wappen und der Bedeutung der Symbole, die Wappenkunst mit der Gestaltung eines Wappens nach gewohnheitsrechtlichen heraldischen Regeln, die Blasonierung mit der Beschreibung der Wappen in einer festgelegten Fachsprache und das Wappenrecht mit den Regeln, nach denen ein Wappen überhaupt zu führen ist.
Da sich ein Laie unmöglich die Tausenden sich aus den Kombinationen von Farben und Symbolen ergebenen Wappen und dere Bedeutung merken kann, gibt es den hoch angesehenen Beruf des Herolds (= Wappenkundigen). Herolde sind Kenner des einschlägigen Rechts, genießen dipomatische Immunität und folgen einem eigenen Ehrenkodex (keine Waffen, kein Ausspionieren des Gegners), während sie die Wappenfarben ihres Lehsnherrn tragen und ihn in der Heraldik beraten. Um die Übersicht über die verschiedenen Wappen zu erhalten, führen Herolde Wappenrollen oder Wappenbücher. Im Krieg oder auf einem Turnier ist es die Aufgabe der Herolde, die anderen Ritter anhand ihrer Wappen zu identifizieren und zu benennen. In der Regel wird ein Turnier sogar durch einen Herold oder einen Zusammenschluss aller anwesenden Herolde geleitet.

Da Ritter, Adelige und deren Gefolge durch ihren täglichen Umgang mit allerlei Wappen zumindest ein grundlegendes Verständnis der Heraldik haben sollten, werde ich im Folgenden in mehreren Einträgen versuchen, euch einige einfache Regeln der Heraldik zu erklären. Damit solltet ihr hoffentlich das Rüstzeug haben, ein Wappen zu erkennen, zu merken, zu beschreiben und der Beschreibungen dieses Wappens im Gespräch folgen zu können. Damit erleichtert ihr nicht nur den anwesenden Herolden das Spiel, ihr bewahrt euch auch vor einer großen Peinlichkeit. Sein eigenes Wappen nicht blasonieren zu können ist in etwa genau so undenkbar wie bei uns heutzutage nicht seinen Nachnamen buchstabieren zu können.

Grundlagen der Heraldik:
1) Der, die, das Schild...
2) Rechts, links, vorne, hinten
3) Aufbau eines Vollwappens
4) Tingierung
...to be continued

Die Zeichnerin Janina Robben hat auf ihrer Website eine sehr schöne Präsentation zur aventurischen Heraldik bereit gestellt, die ich jedem Spieler nur ans Herz legen kann! Sie hat auf wenigen Seiten alle wesentlichen Grundlagen zusammengefasst, so dass die Präsentation hervorragend als Einstieg in die Heraldik dienen kann.
Janinas Präsentation zu aventurischer Heraldik (Pdf)
Weitere Überlegungen zu aventurischer Heraldik

Da Janina professionelle Illustratorin ist, könntet ihr euch euer Wappen sicher auch direkt von ihr anfertigen lassen! Besucht dazu ihre Website

Weiterführende Links:
Heraldik in der Wikipedia
Heraldik Wiki
Heraldik Forum
Heraldik von Dr. Bernhard Peter

SL Frizzi
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Der, die, das Schild...

Beitrag von SL Frizzi » 6. Januar 2019, 12:47

Leider gibt es immer wieder Leute, die "den" Schild und "das" Schild nicht auseinanderhalten können. In der Heraldik ist diese Unterscheidung aber sehr sehr wichtig und jeder, der diesen Fehler macht, gibt seinen Charakter unwillentlich der Lächerlichkeit preis. Daher hier nochmals in aller Deutlichkeit:

DER Schild = der Wappenschild, der Rüstschild, der Kampfschild. Der Schild ist das Ding, was wir bei den Rittern zum Kämpfen benutzen und worüber wir uns in der Heraldik unterhalten. Plural: DIE Schilde.

DAS Schild = das Hinweisschild, das Verkehrsschild, das Preisschild. Das Schild ist das Ding, wo man Sachen draufschreibt, damit andere das lesen können. In der Heraldik haben Schilder nichts verloren! Plural: DIE Schilder.

SL Frizzi
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Rechts, links, vorne, hinten

Beitrag von SL Frizzi » 6. Januar 2019, 13:19

Wenn man Herolde über Wappen sprechen hört, glaubt man, die hätten allesamt eine Rechts-Links-Schwäche. Symbole, die eindeutlig links auf ein Wappen gemalt wurden, bezeichnen sie als rechts; Figuren, die am rechten Rand eines Schilds auftauchen, blasonieren sie als links. Was soll das?

In der Heraldik werden alle Wappen aus der Sicht des Wappenträgers gesehen und beschrieben!
„Rechts“ oder "vorne" ist die vom Betrachter aus linke Seite, „Links“ oder "hinten" ist die vom Betrachter aus rechte Seite des Wappens.

Merken kann man sich das, wenn man sich einen Ritter in Wappenrock vorstellt. Wenn der Ritter auf seiner rechten Brust einen Löwen trägt, dann ist das für ihn Rechts. Der ihm gegenüberstehende Herold sieht den Löwen links auf der Brust des Ritters, weiß aber, dass das seine rechte Körperseite ist und blasoniert den Löwen daher RECHTS.

Die Heraldik-Wiki hat da ein sehr schönes Beispielbild:

Bild


Für uns heißt das an diesem Beispielwappen:

Bild
Rotes Feld = rechts oder vorn; Goldenes Feld = links oder hinten.

Also bitte nicht verwirren lassen, wenn Richtungen vermeintlich falsch herum angegeben werden. Das hat seine Richtigkeit - und wenn ihr wollt, dass euer Wappen "richtig" herum gezeichnet wird, müsst ihr den Herolden auch diese "verqueren" Stellungsangaben machen, weil sie euer Wappen sonst eventuell genau umgedreht aufreißen werden.

Achtung: Das wörtliche Blason geht dem gemalten Wappen immer vor, so dass Herolde sich im Zweifel an die Beschreibung, nicht aber an ein Beispielbild halten werden. Achtet also bitte darauf, welches Blason ihr einreicht und ob das wirklich zu dem von euch gewünschten Wappen passt.

SL Frizzi
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Aufbau eines Vollwappens

Beitrag von SL Frizzi » 6. Januar 2019, 14:49

Ein ritterliches Vollwappen besteht oblilatorisch aus folgenden zwei Teilen:

1) Der Wappenschild
2) Das Oberwappen (mit Helm, Helmdecke und Helmzier)

Beispiel von wappenbild.ch:
Bild

Dazu können noch diverse fakkultative Ergänzungen wie Helmwulst, Rangkrone, Hilfslkleinod, Schildhalter, Orden und Wappendevisen etc. kommen. Das Verwenden dieser sogenannten Prachtstücke kann jedoch sehr schnell unübersichtlich und kompliziert werden kann.
Da ein Wappen aus Wappenschild mit Helm, Helmdecke und Helmzier bereits identitätsstiftend, also vollständg und heraldisch korrekt, ist, ist ein solches Vollwappen für die Darstellung aventurischer Ritter Wappen vollkommen ausreichend.
In der Heraldik Wiki könnt ihr mehr zu den einzelnen Teilen des Vollwappens erfahren.

Der Wappenschild ist der zentrale bildliche Teil des Wappens. Er kann auch ohne Oberwappen geführt werden und ist für jede Familie,jeden Orden oder jede wappentragende Gemeinschaft individuell eindeutig bestimmbar. Im Laufe der irdischen Geschichte gab es verschiedene Formen des Schilds. Am Üblichsten sind der Dreiecksschild und der halbrunde Schild:

Bild Bild

Die Gestaltung des Oberwappens kann sehr aufwändig erfolgen. Irdisch gab es da durch die Jahrhundere viele Entwicklungen und Festlegungen, die alle auszuführen hier den Rahmen sprengen würde. Daher an dieser Stelle nur ein Verweis auf die einschlägigen Seiten im Heraldik Wiki:

Der Helm steht stellvertretend für den Helm, den ein Ritter beim Turnier trägt.
Die Helmdecke ergänzt die Helmzier und gibt die vorherrschenden Wappenfarben wieder.
Die Helmzier ist ein aufsteckbares Kleinod, was der Ritter zur Erkennbarkeit seiner Person auf dem Helm trägt.

SL Frizzi
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Tingierung

Beitrag von SL Frizzi » 6. Januar 2019, 16:21

Die Tingierung ist die heraldische Farbgebung. Dabei hat man zur Wahrung der heraldischen Farbregel (hoher Kontrast!) nur eine gewisse Auswahl an Tinkturen zur Verfügung:

- die Metalle Gold und Silber (= Gelb und Weiß).
- die heraldischen Farben Rot, Blau, Schwarz und Grün (seltenst Purpur, Braun, Grau).
- die Pelzwerke. Das sind Muster, die auf Tierfelle zurückgehen.
- aventurisch werden ebenfalls Türkis (Phex-Bezug) und Orange (Travia-Bezug) verwendet. Türkis ist eine eindeutige Farbe, Orange ist eigentlich ein Metall (Kupfer), wird aber anscheinend teilweise auch als Farbe verwendet.

Dabei gelten folgende Regeln:
- Reine Farben ohne Schattierungen, Beimischungen oder Farbnuancen.
- Metall darf nicht an Metall grenzen, Farben dürfen nicht an Farben grenzen.
- Pelzwerke können sowohl mit Metallen als auch mit Farben kombiniert werden.
- Alle Farben und Metalle sind gleichrangig.
- Jedes Objekt kann ich jeder heraldischen Tinktur dargestellt werden.

Die Tinkturen werden in der Blasonierung angegeben. Bei schwarz-weißen Darstellungen von Wappen werden ersatzweise Schraffuren verwendet, um Metalle und Farben eindeutig zu kennzeichnen.

Bild Gold: gepunktet
Bild Silber: blanko
Bild Rot: senkrechte Linien
Bild Blau: waagerechte Linien
Bild Schwarz: gegittert oder schwarz
Bild Grün: schräg abwärts schraffiert
Bild Purpur: schräg aufwärts schraffiert
Bild Braun: schräg abwärts schraffiert auf senkrechten Linien
Bild Grau: abwechselnd kurze senkrechte und waagerechte Striche
Bild Orange: schräg aufwärts schraffiert auf senkrechten Linien
Bild Türkis: abwechselnd Punkte und waagerechte Striche

Grundsätzlich gilt: Je weniger Details und desto höher der Kontrast, desto besser das Wappen. Heißt also auch: Je weniger Farben und Metalle auf einem Wappen, desto besser.

Alle Farben werden nur in einem einheitlichen, kräftigen Grundton wiedergegeben. Variationen wie Lindgrün, Giftgrün, Tannengrün oder Ähnliches sind zwar zeichnerisch zulässig, heraldisch zählt jedoch nur das Standardgrün.
Gemeine Figuren auf einem Wappen dürfen zu besseren Kenntlichmachung mit einer feinen schwarzen Linie umrandet werden ohne dadurch die Farbregeln zu brechen.

Leider hatten die Macher von DSA früher keine Ahnung von Heraldik, so dass es im offiziellen Aventurien eine Vielzahl heraldisch falscher Wappen gibt, die diversen Regeln widersprechen. Der Orden vom Bannstrahl trägt beispielsweise einen silbernen Wappenschild mit goldenem Bord, was klar gegen die kein Metall an Metall Regel verstößt! Wir spielen trotzdem damit und bilden weiterhin fröhlich silberne Gänse auf kupfernem Grund ab - weil wir es können. Zugegebenermaßen gibts aber auch massig irdische Beispiele für fehlerhafte Heraldik. ;-)

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