Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Spielerdiskussionen rund um "Das große Turnier"
Thela
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Re: Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Beitrag von Thela » 18. Juni 2019, 17:22

Thanatos hat geschrieben:
18. Juni 2019, 16:59
Man kann ja keine zwingen, aber ich frage mich, was ggf. an Unterstützung gewünscht ist. Bisher konnte das niemand sagen.
Also, ich für meinen Teil werde im OT nie gern auf mein Geschlecht reduziert. Da Thela aber sehr weit weg von meinem OT Charakter liegt, konnte ich das schon einfach so hinnehmen, ich mein, ich hab ja auch absichtlich diese Kleider zwischendurch getragen.
Es ist ähnlich wie mit dem Versuch eine Frauenquote in Führungspositionen zu erzwingen, man läuft immer Gefahr, dass man als Frau dann Wettbewerbsunfähig wird, also das ganze nach hinten los geht.
Auf dieser Con hatte ich den Eindruck, dass sich niemand auf den Schlips getreten gefühlt hat, weil die Ritterin mehr gehypt wurde. Aber wie ich bereits sagte, wenn es IT nichts besonderes wäre, es aber zu etwas besonderem gemacht wird, dann ist es eben nicht mehr selbstverständlich, dass eine Frau mitkämpft.

Fanalanthir
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Re: Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Beitrag von Fanalanthir » 18. Juni 2019, 17:30

Aber um deine Frage zu beantworten Tha:

Ich stimme zu, dass es da immernoch OT-Faktoren gibt, die da reinspielen. Ich habe eine zeitlang gar keine kämpferischen Charaktere gespielt, weil mir Männer aktiv eingeredet haben, ich wäre zu klein/schmal/was-bullsit-auch-immer. Das ist hoffentlich nur ein Einzelfall, aber wer weiß.
Was die Unterstützung betrifft: Wenn es NSC gibt, wie Anselm so schön geschrieben hat, Frauen in wichtige Rollen packen. Die Tendenz geht gerne mal Männer als die Krieger zu casten und Frauen in eher heimelige Rollen zu packen. Das passiert mir in meinen Orgas auch ständig und es ist immer wieder ein Kampf zu fragen: Muss das ein Mann sein? Muss das eine Frau sein? (das geht nämlich auch andersrum!) und wie kann ich diesen Charakter zu einer starken (nicht immer kämpferischen) Frau machen?
Vielfach hat so was auch unbewusst mit dem Medienkonsum zu tun, da sind Frauen meist nur "Alibi"-mäßig vorhanden und dann auch noch Hyperkompetent. Das als Vorbild zu sehen ist genauso beschissen, wie immer nur mit Frauen, die gerettet werden müssen konfrontiert zu werden. Ansonsten ermutigen sich in solchen Rollen zu bewegen.

Jelena
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Re: Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Beitrag von Jelena » 18. Juni 2019, 17:37

Hi, als last-woman-standing im Buhurt hier mal meine drei Cent zu dem ganzen:
Meine Hürde einen Kämpfercharakter zu spielen liegt nich in der Angst vor großen Gegnern, die mir physisch überlegen sind, sonder in meinem Möglichkeiten mich passend dafür auszustatten.

Ich bin 160cm klein und trage eine 36/38 bzw, eine 24 Kurzgröße, habe eine Handschuhgröße 6 und 52cm Kopfumfang. Wisst ihr wie scheiße schwer es ist irgendwelche passende Rüstung zu finden? Und wie scheiße teuer das Bisschen ist, was es dann gibt? Mir passt zwar gerade so noch die Kinderrüstung vom Mytholon, aber Jana zB kriegt die nicht mehr übers Kettenhemd.
Das Kettenhemd ist aus Alu, aber stark verändert, damit ich es vernünftig benutzen kann. Kettenenhemden in Gr S oder XS gibts nicht so häufig. Mein Gambeson und den von Jana hab ich zB selbstgenäht, weil hier die Herrsteller bisher nur die Idee hatten Männergambesons mit Schnürungen zu versehen, was aber nicht viel bringt, da Frauen nicht kleiner skalierte Männer sind, sondern andere Proportionen haben. EIn schlecht sitzender Gambi behindert einem massiv beim Kämpfen und nimmt viel Spaß an der Sache. Zum Ende hab ich noch nie! einen passenden Helm oder kampftaugliche Lederhandschuhe gefunden.
Für meine Ausrüstung muss ich also sehr viel mehr Aufwand betreiben. Das geht, wenn mann sich mit so einem Kämpferkonzept angefreundet hat, aber mal irgendwo ausprobieren geht halt einfach nicht! Keine Orge hat die Ausrüstung um Frauen die selben NSCs zu ermöglichen wie Männern. Können sie auch gar nicht. Wer als Frau nicht sehr gut nähen und basteln kann, oder reich ist, ist quasi systemisch ausgeschlossen.

Ich werde mir jetzt für schlappe 450€ einen Helm anfertigen lassen, damit mir doofe Typen mit Schwalben im Banner nicht wieder ausßversehn die Fresse polieren können ;-) Das ist ungefähr so viel, wie mein Mann für seine gesamte Rüstung ausgegeben hat...
Wer hier jetzt verwirrt schaut kann gerne mal "pink tax" dazu googeln.

Zum letzten: Präsenz macht viel aus, aber es ist nicht alle. Der Gegner muss auch damit spielen wollen, dass er mich theorietisch unter einem Arm aus dem Ring tragen kann, ich aber jetzt furchteinflößend aussehe und er sich dann mal ordnungsgemäß in die Hose macht. Das hat auf diesem Con sehr gut funktioniert, vielen Dank dafür!, aber das ist leider nicht immer so. Ich habs auch schon erlebt das Männer dann gelacht haben, nicht ausgespielt haben usw.

Wenn wir alle daran arbeiten wird es besser werden, aber es ist ein weiter Weg solche Rollen für alle Frauen atraktiv zu machen.

SL Frizzi
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Re: Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Beitrag von SL Frizzi » 18. Juni 2019, 17:39

Da ich ja viele Gewandungen mache, ist mir aufgefallen, dass Frauen oftmals einfach schon logistische Probleme haben, wenn es um das Spielen von Kämpfern geht. Große Brüste werden von Kettenhemden einfach nur schmerzhaft plattgedrückt, da hilft auch kein Gürtel in der Taille. Rüstungsteile sind oftmals nicht an den Stellen gerundet, an denen eine Frau das bräuchte - denn wo Männer von Natur aus eher kastig gebaut sind, haben Frauen Rundungen und die sind nochmal von Person zu Person verschieden. Das wird also sehr schnell teuer - und mal eben vom Kumpel ausleihen geht auch lange nicht so einfach wie bei den Herren. Das ist meiner Meinung nach einfach eine Hemmschwelle, solche Rollen auszuprobieren.

Ich denke, dass genau das auch der Grund ist, warum Krieger und Waffenmeister oft durch Männer besetzt werden als NSC - die haben die Ausrüstung oftmals schon da, während die Mädels, sollten sie Krieger etc. spielen, die Klamotten oft so individuell haben anfertigen lassen, dass die fest für einen Charakter abonniert sind, aber nicht gut zum Springen in NSC Rollen taugen.

EDIT:

Genau was Jette sagt!

Fanalanthir
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Re: Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Beitrag von Fanalanthir » 18. Juni 2019, 17:42

Unterschreibe Jettes Bemerkungen zum Rüstungsaufwand-Kauf komplett. Wir haben beide etwa ne ähnliche Statur, nur das ich noch ein bisschen breiter bin und damit bei Kinderrüstungen Glück haben muss (aber ja Geheimtipp für die schmalleren Damen unter uns: Schaut euch die Kinderrüstungen an! Die Qulaität ist miest ähnlich aber billiger)

Delta
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Re: Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Beitrag von Delta » 18. Juni 2019, 18:14

Nijoba hat geschrieben:
18. Juni 2019, 16:53
dass es keine unterschiedlichen Erschaffungsregeln für menschliche Männer und Frauen gibt, hat garantiert mehrere Gründe, einer davon ist vermutlich der Versuch, die Regeln einfach zu halten, ein anderer sicher, krampfhaft Gleichheit zu demonstrieren.
Ob man das jetzt "krampfhaft" findet oder nicht will ich jetzt mal ausklammern weil mir das Wort da doch sehr viel zu wertend ist, aber genau da machst du doch meinen Punkt. Die Regeln demonstrieren Gleichheit, und die Spielwelt bildet diese auch ab. Auch wenn ich mir Abenteuer und RSHs anschaue ist das Geschlechterverhältnis auch in Berufen, in denen es eine massive Ungleichheit geben müsste wenn wir irdische Maßstäbe zugrunde legen, wesentlich ausgeglichener und gerade in neueren Quellen (DSA4 und insbesondere jetzt 5) wird da ja sehr explizit drauf eingegangen. Wenn es keine soziokulturellen Gründe für eine Abweichung gibt (Andergast, Novadis, Aranien etc.) würde ich im Aventurien "by the book" davon ausgehen, dass wir von den typischen statistischen Schwankungen abgesehen ebenso viele Kriegerinnen wie Krieger, Soldatinnen wie Soldaten, Holzfällerinnen wie Holzfäller etc.pp. haben und es da auch von den körperlichen Fähigkeiten keine wesentlichen Unterschiede gibt.

Hilft uns im LARP natürlich alles nur begrenzt da wir natürlich am Ende keine "echten Aventurier" zur Hand haben, sondern durch uns selbst natürlich immer limitiert sind.

Nijoba
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Re: Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Beitrag von Nijoba » 18. Juni 2019, 18:22

Hey, Delta

du hast gerade die Lösung für alle präsentiert, die ein Problem mit einer irdischen Rollenverteilung an einem DSA-LARP haben :D

=> "Statistische Schwankung" ist das Zauberwort, im Extremfall sogar statistische Ausreisser-Werte, die aus einer statistischen Untersuchung sogar ausgeschlossen werden würden. :)
In Aventurien ist alles gleich, nur haben wir gerade eine nicht repräsentative Gruppe am Con :)

Seidenzopf
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Re: Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Beitrag von Seidenzopf » 18. Juni 2019, 18:24

A) Schamlose Eigenwerbung: wenn ich ein Seminar anbiete (schiefer Seitenblick auf meinen aventurische Kämpfer Thread, den KEINER angesehen hat), gehe ich auch auf anerzogene Verhaltens"probleme" für Frauen im Kampf ein. Ich kann das nämlich ein bisschen und spiele den Waffenmeister nicht einfachbmur so und die Damen bei uns im Verein haben ja die gleichen Probleme.

B) Ausrüstung: ich empfehle mal Neyman Fencing. Die machen Ausrüstung fürs historische Fechten in Maßanfertigung nach historischen Vorbildern und lassen sich auch darauf ein, auf Klett- und Reißverschlüsse zu verzichten (Max lässt sich eine Jacken von denen mit Ösen für Schnüre machen). Das gibt dann schon sehr brauchbare Polsterkleidung. Für Plattenteile wrde ich der Larperschaft allgemein empfehlen, auf Worbla umzusteigen. Dann sind nur noch Kettenhemden ein Problem.

Oberoberhexe
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Re: Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Beitrag von Oberoberhexe » 18. Juni 2019, 20:02

Seidenzopf hat geschrieben:
18. Juni 2019, 18:24
A) Schamlose Eigenwerbung: wenn ich ein Seminar anbiete (schiefer Seitenblick auf meinen aventurische Kämpfer Thread, den KEINER angesehen hat), gehe ich auch auf anerzogene Verhaltens"probleme" für Frauen im Kampf ein. Ich kann das nämlich ein bisschen und spiele den Waffenmeister nicht einfachbmur so und die Damen bei uns im Verein haben ja die gleichen Probleme.
Ich hätt da grundsätzlich Interesse, aber ich hab' nach gar keinen Seminaren geschaut, schlicht aus dem Grund dass ihr alle zu weit weg seid ;)

Ja das ist eins der Probleme: ich kann gar nicht kämpfen, wüsste nicht so richtig wann und wie ich das lernen sollte, und mal ausprobieren scheitert an den oben genannten Rüstungsproblemen. Ich besitze ein Kettenhemd, aber es ist mir eigentlich zu schwer und geht mir bis über die Knie weil kleiner obenrum zu eng ist :/
Ilke, thorwalsche Godi [LvT, CM5.5, CM6, PzE3]
Livi Badstübner, gerasimer Adepta Minor [ZG2]
Jeliana von Bregelsaum, Abgängerin der Akademie Perricum [ST2, PzE2]
Danje, weidener Novizin der Rahjakirche [SdB5, Turnier]
Alisanya Babek [HdS1, HdS1.5]

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Elli
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Re: Frauenkämpfer/-ritter/-geweihte

Beitrag von Elli » 18. Juni 2019, 20:10

Zum Thema Kettenhemd.... ich muss zugeben, dass ich inzwischen schumle, da ich es Körperlich nicht mehr so schaffe, wie vor 10 Jahren.
Mein Kettenhemd existiert nur da, wo es unter dem Wappenrock hervor schaut. Sprich an den Seiten, Ärmel und Hals/Nacken Bereich. So wurde aus meinem 15kg Hemd ein 5 kg Hemd. Ja es ist gemogelt und ja, der ein oder andere findet es unfair, doch anders kann ich es nicht mehr spielen. Ein Alu-Kettenhemd kann ich mir eben nicht leisten, deshalb diese Lösung. Optisch trage ich halt eine Kette, habe nur die Vorteile, dass ich beweglicher bin und dem entsprechend schöner und sicherer kämpfen kann.

P.s. Diese Art der "Kettenhemd-Beschneidung" gab es sogar schon im Mittelalter. Unter Plattentüstungen war das recht gängig.

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